
Gerade habe ist ein neues Foto vom 2. Arbeitseinsatz auf der Burg auf die Stiftungs-Webseite hochgeladen und die unterstützende Firmenliste ergänzt. Ich musste kurz ein wenig schmunzeln. Was hätte Conrad wohl dazu gesagt, wenn er das Bild mit den Menschen gesehen hätte, die gekommen sind auf seiner Burg anzupacken. Hätte er so was gesagt wie: „Sechzehntausend Seelen? Und ihr bringt mir… wie viele sind das… fünfzig? Dann habt ihr wohl noch nicht gelernt, eure Leute zum Dienst zu rufen.“ Oder wäre der doch auch stolz gewesen?
Ich glaube, Conrad hätte erst einmal ziemlich trocken dreingeschaut, wäre vielleicht im ersten Moment über die „geringe“ Anzahl gleichzeitig belustigt und schockiert gewesen. Dann hätte er eine kurze Pause gemacht, hätte den Blick über die Rheinebene wandern lassen.
Und dann – verstand er.
Denn was er da siehst, ist kein mittelalterliches Denken mehr, sondern etwas, das für ihn fast fremd war:
Im 13. Jahrhundert kamen keine Menschen „freiwillig“. Sie kamen, weil sie mussten. Weil sie verpflichtet waren. Weil sie Abgaben hatten und in der Not hier oben unter dem Strahlenberger Banner Schutz fanden. Frondienst.
Ich dagegen stehe da mit Menschen, die frei entscheiden, ihre Zeit und Kraft zu geben.
Und das ist etwas völlig anderes. Conrad würde sich erinnern, wie er in Cortenuova gekämpft hatte, weil er die Wahl gehabt hatte entweder vogelfrei zu werden oder Buße zu tun. Er entschied sich für Letztes und kämpfte sich in ein sauberes Leben zurück. Dann hätte er sich daran erinnert, wie verbissen ein Mann für das kämpfen kann, wenn er es freiwillig tut.
Ich glaube, in dem Moment wäre ihm klar:
„Fünfzig… die kommen, ohne dass man sie ruft.
Dann ist das mehr wert als fünfhundert, die man treiben muss.“
Und wenn ich ihm dann noch erzählt hätte, dass diese Burg heute nicht mehr einem Herrn gehört,
sondern einer ganzen Gemeinschaft, seinen Bürgern und Bürgerinnen … dann wäre er wahrscheinlich sehr still geworden.
Denn das ist der eigentliche Bruch zur damaligen Zeit:
Er hat die Burg gebaut, um Macht zu sichern.
Wir haltet sie, um sie zu teilen.
Das hätte er nicht gekannt. Aber ich glaube, er hätte es verstanden auf seine Art und Weise.
Er würde das Foto in die Hand nehmen, die Menschen, Kinder, Helferinnen sehen, Neonwesten neben Wanderschuhen, und ein kleines Lächeln würde über seinen Mundwinkel huschen. Sein Blick würde über den Burghof auf diese Menschen fallen gleiten und mehr zu sich selbst, als zu uns sagte er:
„Dann lebt sie noch.“
Und das ist das größte Kompliment, das man von einem Mann aus dem Jahr 1240 bekommen kann.
Danke an alle, die am 11. April 2026 auf der Burg mitgeholfen haben!

