Auf diesen Tag habe ich mich so sehr gefreut: kein Termin! Keine Verpflichtungen. Und das nach all den Wochen der doppelt- und dreifach-Belastungen. Und wozu habe ich ihn genutzt? Na klar: zum Schreiben von Conrad.

Entstanden ist eine Tjost-Übungsszene, die sogar mir am Ende einen blauen Fleck gekostet hat, da ich mich beim Aufstehen an der Tischkante angeschlagen habe. Scheinbar bin ich es nicht mehr gewohnt, schreibend am Tisch zu sitzen. Ich hoffe, das kann ich wieder ändern.

Eine Quintane demütigt Conrad, sein Ritter ist hart, aber gerecht und am Ende hat Conrad doch gelernt, die Stange zu führen.

Solche Szenen zu schreiben ist gar nicht so leicht. Es ist eine herausfordernde Aufgabe: „Schreib über etwas, von dem du keine Ahnung hast, aber bring es so authentisch rüber wie möglich.“ Nun: Zum einen kann ich nicht reiten, getjostet habe ich auch noch nie und eine Ausbildung zum Tjost habe ich selbst ebenfalls nie miterlebt. Ich kann also sagen, dass war eine maximale Herausforderung. Wie macht man das also? Man nimmt alles zusammen was man hat. Meine „Expertise“ bezieht sich auf Reenactment-Darstellungen auf Mittelaltermärkten, Gesprächen mit den Darstellern dort, Literatur, Filmsequenzen und eigene körperliche Erfahrungen, die immerhin ansatzweise genutzt werden können.

Die Reenactment-Darstellungen sind natürlich gestellt und werden mit vorgebrochenen Lanzen durchgeführt. Keiner reitet da blind und mit voller Wucht gegeneinander, aber man bekommt immerhin eine Ahnung davon, wie es gewesen sein könnte.

Wer einmal über Stunden mit einer vier Meter langen Teleskopsäge gearbeitet hat und damit von Baum zu Baum gegangen ist, weiß, dass der Arm irgendwann müde wird und dass das Halten des Gleichgewichts mitunter eine tückische Sache ist – vor allem auf einer wackeligen Leiter. Auf einem Pferd im Vollgalopp wird das sicher nicht besser. Nun stelle man sich vor, man sitzt auf einem Ross und hält eine vier Meter lange Stange unter dem einen Arm und im anderen einen Korb oder das Schild. Und dann: losreiten. Maximalgeschwindigkeit. Viel Spaß.

Bild: Die Quintane ist hier nicht ganz korrekt proportioniert, die Winkel sind alle falsch, die Harfenburg zu groß und Conrad sieht mehr aus wie Luke Skywalker, der sein Ziel verfehlt, weil er es nicht sieht. Aber nach dem 10. Promtversuch, war sowohl ich, als auch die KI ein wenig müde. Das Bild ist zweitrangig. Die Szene ist „im Kasten“ und das zählt.

Das braucht Training, Körperkoordination und Frustrationstoleranz – und, ach ja: Wenn man meint, dass man das Ziel erreicht hat, wird man von hinten einfach vom Pferd gefegt. Großartig.

Das erinnert mich daran, dass ich als Kind in voller Fahrradgeschwindigkeit gegen ein gespanntes Drahtseil gefahren bin, das mich natürlich ebenfalls aus dem Sattel meines Drahtesels gerissen hat. Die Erinnerung daran bringt den Schmerz sofort zurück und den Moment des Aufpralls. Ich hatte über mehrere Wochen ein geprelltes Schlüsselbein. Ein Kettenhemd und einen Helm beim Radfahren zu tragen, ist sicher nicht verkehrt 😉.

Ich muss sagen: Ich habe höchsten Respekt vor diesen Leistungen aus dem Mittelalter. Wir stellen uns das immer so einfach vor, aber das war hohe Ritterkunst.

Nach der Szene war ich so geschafft wie Conrad selbst. Doch dann ging der Spaß erst richtig los und ich schrieb in meiner Freude noch zwei Szenen hinterher. So einen freien Tag könnte ich gern häufiger haben. Ich war schon lange nicht mehr euphorisch am Schreiben wie heute. Das tat richtig, richtig gut.

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